Bildung - zum Weiterlesen

Bildung für alle?!

„Bildung ist etwas Wunderbares. Doch sollte man sich von Zeit zu Zeit daran erinnern, dass wirklich Wissenswertes nicht gelehrt werden kann.“ (Oskar Wilde)

Was ist überhaupt Bildung?

Bildung – ein immer wieder leidenschaftlich diskutiertes Thema. Die Debatte um die Ausgestaltung von Bildung und die zukünftige Ausrichtung von Bildungspolitik ist in den vergangenen Jahren stark aufgelebt. 

Was wird überhaupt unter Bildung verstanden? Bildung ist für das Leben von jungen Menschen eine entscheidende und unverzichtbare Ressource. 

Unterschieden wird zwischen formaler, non-formaler und informeller Bildung:

Formale Bildung ist eine institutionalisierte, kontinuierliche Aus- und Weiterbildung in staatlichen Bildungsinstitutionen (z.B. Schule, Universität, Institutionen der Berufsbildung). Sie ist ein strukturierter, hierarchisch gegliederter Prozess und gekennzeichnet durch klare Lernziele, Lehrpläne, Lernsettings und Zertifizierungen.

Unter non-formaler Bildung wird beabsichtigtes, gezieltes und selbst gesteuertes Lernen außerhalb klassischer Bildungsinstitutionen verstanden. Diese Form der Bildung kann 1.) unterschiedliche Grade der Formalisierung haben, ist 2.) durch Freiwilligkeit gekennzeichnet und beinhaltet 3.) mehr oder weniger stark durchorganisierte Lernangebote. Jugendverbandsarbeit ist ein gutes Beispiel für non-formale Bildung.

Informelle Bildung beinhaltet Prozesse der Selbstbildung, die sich in unmittelbaren Lebenszusammenhängen und außerhalb von Bildungsinstitutionen sowie formulierten Absichten abspielen. Darunter können zum Beispiel familiäre Gespräche oder Erfahrungen beim Hobby gefasst werden.

Junge Menschen darin zu unterstützen, die Kompetenzen, Werte und das Wissen für eine Teilhabe am Leben in einer menschenwürdigen Gesellschaft zu erwerben und eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln, muss ein gesamtgesellschaftliches Interesse sein. Um dieses Ziel erreichen zu können, ist wichtig zu hinterfragen, was Kinder und Jugendliche brauchen, um sich in der Gesellschaft zurechtzufinden. Was brauchen sie, um die Gesellschaft zu hinterfragen und zu verändern, um die eigene Meinung einzubringen und sich entfalten zu können?

Auf der einen Seite geht es um die Vermittlung von Kompetenzen und Wissen, auf der anderen Seite braucht es aber Zeiten und Räume, damit Kinder und Jugendliche die Möglichkeit haben, sich auf sich selbst zu konzentrieren, Erfahrungen außerhalb der formalen Bildungsinstitutionen zu machen, Engagement zu zeigen. Diese Lebenswelten müssen als Lernwelten erfasst werden.

Der ganzheitliche Blick auf Bildung ist von Bedeutung. Bildung aus Sicht der Jugendverbände ist …

subjektiv, ein offener und individueller biografischer Prozess. Sie ist abhängig von der Lebenswelt des jeweiligen Menschen. Er_sie lebt in einer bestimmten Umgebung, steht in Beziehungen zu verschiedenen Personen, verfügt über gewisse Ressourcen und wird mit kulturellen und sozialen Werten und Deutungsmustern konfrontiert.

ein lebenslanger Prozess. Wir hören nicht auf, uns mit uns selbst, dem Leben und der Welt auseinanderzusetzen, solange wir leben. Insofern ist Bildung ein lebenslanger Prozess, der nicht endet, wenn wir die Schule, Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen haben.

mehr als Qualifizierung und damit mehr als die Sammlung berufsrelevanter Fertigkeiten und Wissensinhalte in Schule, Ausbildung und Studium. Bildung schafft die Voraussetzung, sich in einer globalen, vielfältigen und unübersichtlichen Welt zurechtzufinden und diese mitzugestalten und zu verändern.

Grundlage einer selbstbestimmten Lebensführung. Insbesondere für junge Menschen ist Bildung der Ausgangspunkt für ihre eigene Entwicklung. Bildung dient der Entfaltung der eigenen Persönlichkeit und einer selbstbestimmten Gestaltung des eigenen Lebensweges. Sie ist auch eine wichtige Voraussetzung für eine aktive Teilhabe am sozialen, kulturellen und politischen Leben. So schafft Bildung Fähigkeiten und Möglichkeiten zur Mitbestimmung und Mitgestaltung in Gesellschaft und Politik.

Politische Bildung
Um die eigene Situation zu verstehen und sich für eine Verbesserung einzusetzen, brauchen alle Menschen Zugang zum politischen System. Das fängt bei der Sprache an und hört bei der Zeit, die wir investieren können, um uns zu beteiligen, nicht auf. Politische Mündigkeit und Teilhabe am politischen und gesellschaftlichen Leben sind essenzielle Bestandteile einer vitalen Demokratie und damit das höchste Ziel von politischer Bildung. Politische Bildungsarbeit hinterfragt, warum wer wie mitreden kann und ermächtigt Jugendliche und Erwachsene darin, eine demokratische Kultur zu entwickeln und am gesellschaftlichen und politischen Leben teilzuhaben. Dies ist besonders mit Blick auf die Zunahme von Menschen- und Demokratiefeindlichkeit, die sich aktuell immer wieder abzeichnet, unverzichtbar für eine menschenwürdige Gesellschaft.
 

Mitbestimmungsmöglichkeiten an Schulen

Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in der Schule ist strukturell verankert durch die Schüler_innenvertretungen, umfasst aber noch nicht alle für Schüler_innen wesentliche Bereiche. Die generelle Verpflichtung zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ist durch gesetzlich festgeschriebene Vorgaben auf verschiedenen politischen Ebenen verankert (UN-Kinderrechtskonvention, Kinder- und Jugendhilfegesetz, Landesverfassung NRW und Kinder- und Jugendförderungsgesetz NRW). 

Bildung muss an den Bedürfnissen junger Menschen ausgerichtet sein. Junge Menschen müssen Entscheidungsprozesse, die ihren Lebens- und Lernraum betreffen, stärker mitbestimmen. Zum Bildungsauftrag der Schule gehören die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung und die Befähigung von Kindern und Jugendlichen, verantwortlich am sozialen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, beruflichen, kulturellen und politischen Leben teilzunehmen und ihr eigenes Leben gestalten zu können (Schulgesetz NRW, § 2). Zu solch einem selbstbestimmten Leben gehören ganz wesentlich auch die Übernahme von Verantwortung und die Teilhabe an Entscheidungen – auch an bildungspolitischen Entscheidungen.

Wenn Schulen Teil von Bildungsnetzwerken und -landschaften werden, muss auch auf dieser Ebene die Beteiligung der Schüler_innen sichergestellt werden. 

Als Selbstorganisationen von Kindern und Jugendlichen ist den Jugendverbänden die gesellschaftliche Partizipation von jungen Menschen ein zentrales Anliegen. Junge Menschen wollen mitgestalten, mitentwickeln und mitentscheiden, wie ihre Lebenswelt aussieht. Dieser zutiefst demokratische Anspruch wird in den Jugendverbänden gelebt und zugleich auch für die Schule eingefordert. Denn nur eine demokratische Schule macht Demokratie für Schüler_innen aktiv erfahrbar und lässt sie für Demokratie eintreten und sie weiter tragen. 

Partizipationsformen in der Schule ermöglichen die Erweiterung sozialer und personaler Kompetenzen und tragen in hohem Maße zur Entwicklung eines positiven Schulklimas bei. Dieses ist von großer Bedeutung für die persönliche Entwicklung von jungen Menschen. Die Schulkultur und das Schulklima sollten geprägt sein von einem solidarischen Umgang miteinander, von Respekt und Rücksichtnahme. Zu einer guten Schulkultur gehört aber auch eine Diskussionskultur, in der Konflikte ausgetragen und Kompromisse ausgehandelt werden können. Nur unter solchen Voraussetzungen können sich junge Menschen in einem angstfreien Raum entwickeln. Selbstreflexionsprozesse müssen gefördert und kooperative Lernformen, in denen Lerninhalte eigenständig und durch den Austausch mit anderen Schüler_innen erworben werden, umgesetzt werden. Der Ausbau verschiedener Formen zur aktiven Teilhabe und Mitbestimmung von Schüler_innen im Schulalltag, die Stärkung der Schüler_innenvertretung und die Zusammenarbeit mit außerschulischen Trägern können Mitgestaltungsmöglichkeiten in der Schule unterstützen.
Weitere Informationen findet ihr hier: Schulpol-Positionspapier-LandesjugendringNRW  

Ausbildungsreport des DGB NRW 

Die duale Ausbildung in Deutschland genießt als Vorzeigemodell des deutschen Bildungssystems internationale Anerkennung. Dennoch braucht das System eine Reform, um weiter attraktiv zu bleiben. Schwerpunkt des Ausbildungsreportes ist dieses Mal der Blick auf psychische Belastungen in der Ausbildung.
Mehr Informationen: dgb.de/presse   
 

LSV-Kampagne

Die LandesschülerInnenvertretung setzt sich mit ihrer Kampagne „Wir sind mehr wert – Mehr Geld für die Bildung“ und #bildungistmehrwert gegen die Unterfinanzierung des Bildungssystems ein. Darüber hinaus fordert sie die Beseitigung des strukturellen Lehrermangels, groß angelegte Sanierungen von Bildungsgebäuden und mehr Mittel für die Schulsozialarbeit. Der Landesjugendring NRW unterstützt diese Positionierung und setzt sich für die Ausrichtung der Bildung an den Bedürfnissen junger Menschen ein.  
Mehr Informationen auf www.lsvnrw.de und www.facebook.com/lsvnrw/  
 

Das Recht auf Bildung kennt keine Ausnahme: Schule für alle

Der Landesjugendring NRW unterstützt die Kampagne „Schule für alle“ der Landesflüchtlingsräte, von BumF e.V. und Jugendliche ohne Grenzen (JOG). Diese fordern den Zugang zur Schule für alle geflüchteten Kinder und jungen Menschen. Besonders jüngere Kinder und 16- bis 27-jährige Flüchtlinge sind bisher bei Bildung außen vor.
Weitere Informationen findet ihr hier: kampagne-schule-fuer-alle.de   
 

Bildungsbericht 2016

Mit dem Bildungsbericht 2016 wurde eine umfassende empirische Bestandsaufnahme für das deutsche Bildungswesen vorgelegt. Sie reicht von der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung bis zu den verschiedenen Formen der Weiterbildung im Erwachsenenalter und schließt dabei auch jene Bildungsprozesse ein, die sich mit non-formaler Bildung und informellem Lernen beschreiben lassen. Schwerpunkt des Berichts ist der Aspekt Bildung und Migration.
Der Bildungsbericht ist hier zu finden: bildungsbericht-2016